Bowle zubereiten ist gar nicht so leicht, insgesamt gibt es dabei sieben Regeln zu beachten - zumindest war das früher so...
Lass dir nicht von guten Freunden und getreuen Nachbarn hineinreden, sondern braue deine Bowle allein. Denn stets gibt es einen, dem die Bowle zu sauer, einen andern, dem sie zu süß ist, einem dritten hat sie zu wenig gezogen, und wieder einem ist sie zu stark geworden. Hört man auf solche Einreden, so wird gekünstelt, nachgegossen, nachgezuckert, womöglich gar noch Madeira oder Kognak hinzugefügt, und das Ergebnis ist schlimmer als der Bomster Wein in seinen schlechtesten Jahrgängen.
Man nehme im allgemeinen nur leichte und reine Weine, da ja bei der Bowle mehr als gewöhnlich getrunken werden soll, und prüfe jede Flasche, damit kein Wein in die Bowle kommt, der nach Pfropfen schmeckt.
Wenn man überhaupt Zucker verwendet, so löse man Stückenzucker in klarem Brunnenwasser auf und süße mit dieser Zuckerlösung nach Bedarf. Es kann leicht vorkommen, dass die Bowle trübe wird, wenn man gestoßenen Zucker verwendet.
Alle Zuraten, die das Aroma geben sollen, nehme man nicht zu reichlich. Die Bowle soll immer noch Wein bleiben, und das Maß des Duftes muss so gehalten sein wie bei einer vornehmen Dame die Parfümierung. Darum ist das stundenlange Ziehenlassen in gezuckertem Wein, das unästhetische Zerquetschen der Früchte ganz verwerflich; besonders sollen Erdbeer- und Pfirsichbowlen klare Getränke bleiben, nicht aber das Aussehen von Spülwasser bekommen.
Der Bowlenlöffel ist zum Schöpfen und Umrühren da, nicht aber zum Stehenlassen in der Bowle, alldieweil er kein Aroma besitzt.
Hält man nach leichtem Umrühren die Bowle für genügend durchzogen, so gießt man bei Damenbowlen zur Regelung der Süßigkeit Zucker oder Wein zu und stellt die Bowle kalt. Man vermeidet gern das Hineinwerfen von Eisstücken und kühlt lieber in einem Eisbad oder durch die Verdunstungskälte eine nassen, um die Bowle gewickelten Tuches. Zur Abkühlung einer größeren Bowle bedient man sich eines umfangreicheren Gefäßes als die Bowle selbst ist, in der Regel einer Blechschüssel. In diese stelle man nun die Bowle und fülle den Zwischenraum zwischen Bowle und Schüssel mit fein zerschlagenem Eise. Um das Eis kompakt zu machen, gebe man hin und wieder eine leichte Schicht grobes Salz bei. Sodann schmücke man den Eiskranz in zierlicher Weise mit kleinen Blättern und Saisonfürchten wie Erdbeeren usw., und versehe auch das Äußere der Blechschüssel mit einer Serviettendraperie, damit die Bowle einen hübschen Eindruck mache. Eine völlig zu Eis gewordene Bowle schmeckt ebenso wenig und bekommt ebenso schlecht wie eine warm aufgetragene; die richtige, allerdings nur nach dem Gefühl messbare Temperatur zu erreichen, ist das Hauptkunststück des Brauers.
Man trinkt Weißweinbowlen aus grünen oder gelben Römern, mit Rotwein gemischte aus weißen Gläsern, Ananas- und Pfirsichbowlen auch aus großen Schalen. Für ganz schwere, aber klare Bowlen nimmt man reichgeschliffene Kristallpokale. Damen bekommen nur halbe Gläser eingeschenkt, damit sie sich stets an frischem Stoff ergötzen können.