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Im schattigen Buchenwalde wächst das Kräutlein „Herzensfreud“, wie es um 1600 genannt wurde, unser Waldmeister. Wohl jeder kennt die quilförmig mit länglichen Blättchen umgebenen, zierlichen Stengelchen, die kleine weiße Blüten tragen und den würzigen Kumaringeruch ausströmen. Die Verwendung des Waldmeisters als Würze geht bis weit ins Mittelalter zurück, das ja überhaupt reichlichen Gebrauch von Kräuterwürzen machte. Allerdings diente der Waldmeister zuerst als Speisewürze, z. B. an Hirschbraten. Jetzt im Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts sind es ungefähr 350 Jahre, seit das Kräutlein auch als Weinwürze in der Literatur genannt wurde. Man müsste dieses Jubiläum eigentlich feiern. Findet sich jemand, der das in die Hand nimmt, so sind wir dabei.
Es war der Botaniker und namhafte Leibarzt Kaiser Maximilians II., Remberzund Dodnäus, bei dem sich die früheste uns bekannt gewordene Erwähnung der (ihrer wirklichen Anwendung nach wohl freilich weit älteren) Sitte findet, einem leichten Weine mit duftigem Waldmeister eine Blume zu geben, um „das Herz froh und die Leber gesund“ zu machen. Auch in dem „New vollkommenlich Kräuterbuch des Jacobi Theodori Tabernaemontani, Churfürstl. Pfalz Medici“ von 1664 wird die Abbildung der bescheidenen Asperula odorata mit der Einführung begleitet: „Im Mayen, wann das Kräutleyn noch frisch ist und blühet, pflegten es viele Leut in den Wein zu legen und darüber zu trinken; soll auch das Herz stärken und erfreuen.“ Als einen speziell deutschen schildert der Kräuterkenner John Gerard (1650) diesen heut weit verbreiteten Brauch. Wie im Verein für die Geschichte Berlins vor einigen Jahren zur Sprache gebracht wurde, ist der Brauch in Berlin merkwürdigerweise erst im Jahre 1829 von einem Regierungsassessor von Rohr (und noch dazu unter anfänglichem Widerstreben der Beteiligten) wieder allgemeiner zur Geltung gebracht worden.
Waldmeisterbowle! Maitrank! – Dem einen der Inbegriff von Frühlingsluft und Frühlingsduft, von Sängerlust und Minne, dem andern die Erinnerung an allen Erdenjammer! Der eine hat in verständiger Weise den Wein nur mit den Blättern der unerblühten Asperula odorata in Berührung gebracht und hat Maiwein gewonnen, der andere hat in barbarischen Unverstand die ganzen Bündel mit Stumpf und Stiel hineingeworfen, hat womöglich noch Sekt dazugegossen und in halbstündigem „Ziehen“ eine schauderhafte Grassuppe erzielt. Latat anguis in herba, warnt Virgil (Ecl. 3,93) unvorsichtige Trinker.
Richtig bereiteter Maiwein mit Krebsen oder Aufschnitt, mit geräuchertem Lachs und Spargel oder mit Leipziger Allerlei und Pökelzunge ist die beste Vorbereitung für ein Ständchen in einer Vollmondnacht.

Erste Art, einfach
In die Weinkanne füllt man drei Falschen leichten Moselwein und hängt an Zwirnsfäden mehrere Bündelchen noch nicht blühenden, aber schon am Tage vorher gepflückten Waldmeister, und zwar mit den Köpfen nach unten, so hinein, dass die unteren Teile der Stiele nicht mit eintauchen. Nach etwa zehn Minuten entfernt man den Waldmeister, fügt eine Flasche etwas schweren Rheinweins hinzu und süßt mit flüssigem Zucker.

Andere Art, mit Erdbeeren
Eine Flasche Rotwein, zwei Flaschen Weißwein, etwas Zucker, eine kleine Hand voll nicht ganz aufgeblühten, im Schatten etwas abgewelkten Waldmeisters lässt man gut verdeckt eine Viertelstunde im Eise ziehen und seiht den Wein in eine Bowle über ein halbes Pfund gezuckerter Erdbeeren. Hier ist ausnahmsweise der Erdbeeren wegen der Saft einer Orange und ein Fläschchen Schaumwein am Platze.


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