Vorsicht beim Genießen von Fischen

Mein Mann liebt Fischbrötchen, hält sich aber strickt an die Regel, Fischbrötchen auf der Kirmes, auf Stadtfesten usw. nur an Monaten zu essen, deren Name ein “r” enthalt. Damit werden die Sommermonate Mai bis August konsequent ausgeschlossen. Eine Ausnahme hat er allerdings dieses Jahr gemacht: Während unseres Urlaubs auf Pellworm hat er mehrmals Fischbrötchen gegessen – aber die hat er eben nicht an einem Stand auf einem Volksfest gegessen, sondern direkt an einem Fischstand am Hafen…

Dass man vorsichtig beim Fischessen sein muss, ist nichts Neues. Schon um 1900 hieß es:

Beim Genießen von Fischen in der heißen Jahreszeit kann nicht genug Vorsicht beachtet werden, und zwar nicht nur vor den im toten Zustande feilgebotenen Fischen, sondern auch vor geräucherten Fischen. Selbst wenn sie auf Eis liegen, gehen die toten Fische im Sommer außerordentlich schnell in Zersetzung über, und das dadurch entstehende Fisch-Leichengift ist noch bedeutend gefährlicher als das Gift im zersetzten Fleisch anderer Tiere. Werden dann solche bereits in Verwesung übergegangene Fische, wie Flundern, Aale etc., geräuchert, so tritt durch die in dem Rauch enthaltenen Desinfizierungsftoffe, besonders Ammoniak, in dem Zersetzungsprozesse zwar ein Stillstand ein, das vor dem Räuchern in den Fischen bereits vorhanden gewesene Leichengift wird dadurch aber nicht im mindesten unschädlich gemacht, sondern bleibt in seiner vollen Gefährlichkeit bestehen und führt häufig zu schweren, ja lebensgefährlichen Magen-Erkrankungen.

Man achte daher beim Genießen von Fischen darauf, dass das Fleisch derselben stets fest zusammenhält. Denn sobald die Fischfasern keine Festigkeit mehr haben, und durch einfachen Druck mit einem flachen Messer zu Brei gedrückt werden können, hat die Zersetzung des Fleisches begonnen. Am meisten geboten ist diese Vorsicht aber bei geräucherten Fischen, weil diese in allen Fällen, in welchen sie erst nach der begonnenen Zersetzung geräuchert worden sind und dann bald verkauft werden, noch gar keinen Fäulnisgeruch von sich geben und lediglich nur an der Beschaffenheit des Fleisches als schädlich für den Genuss zu erkennen sind.

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vor 50 Jahren